
Interview: Studium, Ehrenamt und Lokalradio: Wie Mika in Leipzig ihre Stimme fand
Mika Schlegel studiert Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Uni Leipzig – und hat mit gerade mal 20 Jahren schon mehr Ehrenamtserfahrung gesammelt als manche in einem ganzen Jahrzehnt. Beim Lokalradio mephisto 97.6 ist Mika tief verwurzelt, aber auch in anderen studentischen Initiativen und politischen Gruppen aktiv. Im Interview erzählt Mika, warum Leipzig mehr als nur Studienort ist, weshalb sich Engagement auch bei vollem Stundenplan lohnt – und wie man beim Radio sein zweites Zuhause finden kann.
Was bedeutet Leipzig für dich persönlich als Studien- und Lebensort – gerade mit Blick auf studentisches Engagement und kreative Freiräume?
Leipzig lädt wie keine andere Stadt dazu ein, einfach man selbst zu sein. Erst in Leipzig habe ich zum ersten Mal das Gefühl bekommen, selbstbestimmt und frei zu leben – was zwar zum einen daran liegt, dass ich zum ersten Mal alleine lebe, aber zum anderen auch daran, dass ich zuvor in sehr konservativen Strukturen gelebt habe. Leipzig bietet mir eine sehr hohe Lebensqualität in Sachen Wohnen, Anbindung, sozialem Umfeld und Freizeit. Die Freundesgruppe, die mir in Leipzig geschenkt wurde, fängt mich auch in herausfordernden Phasen auf und ich habe in der Stadt mein Glück gefunden: Ich habe eine bezahlbare, zentrale und wunderschöne Wohnung, viele tolle Friends und eine stabile Beziehung gefunden. Leipzig ist grün, sicher und wunderbar dezentral, wodurch niemals Langeweile aufkommt. Ich lebe und studiere gern hier und möchte immer wieder hierher zurückkommen können.
Die Uni Leipzig bietet viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren – was würdest du anderen empfehlen, die sich einbringen möchten?
Ich habe eine Zeit lang im Fachschaftsrat mitgewirkt, der eine tolle Community bietet. Außerdem bin ich ehrenamtlich beim Lokal- und Ausbildungsradio mephisto 97.6 tätig, und das bereits seit meines Studienantritts im Oktober 2023. Mittlerweile habe ich dort ein Praktikum und zwei Ausbildungen durchlaufen. Ich fühle mich dort sehr wohl und habe eine Art zweites Zuhause dort gefunden, wofür ich sehr dankbar bin. Ein Besuch und eine Schnuppermitarbeit beim Radio empfehle ich auf jeden Fall jeder Person, die sich für Öffentlichkeitsarbeit/Journalismus und/oder bestimmte Herzensthemen interessiert. Auch bei der Universitätszeitschrift luhze habe ich tolle Menschen kennengelernt. Außerdem engagiere ich mich bei der Liberalen Hochschulgruppe, die mir eine herzliche Community und einen Safe Space bietet.
Viele Studierende zögern, sich neben dem Studium zusätzlich zu engagieren. Warum lohnt sich ein Ehrenamt – auch wenn der Stundenplan schon voll ist?
Ein Ehrenamt sieht nicht nur fantastisch aus im Lebenslauf, sondern bietet auch die Möglichkeit auf ein hilfreiches Netzwerk sowie eine tolerante Community und neue Freundschaften. Man hat die Möglichkeit, sich auszuprobieren, Gutes zu tun, für seine Herzensthemen einzustehen und Zugang zu Skills und Learnings zu erhalten, die das Studium gut ergänzen. Mein ehrenamtliches Engagement hat mich im Laufe meines Lebens stark geprägt und mich sowie soziale Skills wie Teamfähigkeit und Konfliktlösestrategien gelehrt als auch viele fachliche Skills in zahlreichen karriererelevanten Bereichen – ganz zu schweigen vom persönlichen Mehrwert, die mir die Selbstwirksamkeit im Ehrenamt bietet.
Du bist mit großer Begeisterung bei mephisto 97.6 aktiv – wie bist du dahin gekommen?
Für meinen Studiengang sind journalistische Berufsfelder naheliegend und journalistische Fähigkeiten dementsprechend besonders relevant. Der Sender macht seit jeher vor allem in den Einführungsveranstaltungen der KMW viel Werbung für sich – das hat mich von Anfang an angesprochen. Nach meinem ersten Beitrag bin ich dann einfach „hängen geblieben“, wie man so schön sagt. Besonders spannend finde ich, dass bei mephisto 97.6 nicht nur Studierende mitmachen: Auch Auszubildende, Berufstätige und Jugendliche im Praktikum sind hier ehrenamtlich aktiv – das macht das Arbeiten und Lernen im Team besonders vielfältig und praxisnah.
Was das Studieren an der TU Chemnitz angeht, kann ich die neue Universitätsbibliothek in der ehemaligen Aktienspinnerei im Zentrum sehr empfehlen. Dort gibt es großartige Lernräume – und im Erdgeschoss rechts einen riesigen Aufenthaltsbereich, in dem man essen, quatschen und Lerngruppen bilden kann. Ein echter Treffpunkt. Und nicht zuletzt: Das neue Sport- und Fitnesszentrum hinter der Mensa an der Reichenhainer Straße ist top ausgestattet – wer einen Ausgleich zum Studieren sucht, ist dort gut aufgehoben. Und: Chemnitz ist günstig. Hier kann man vom BAföG tatsächlich noch Miete zahlen und leben – das ist heutzutage ein echter Standortvorteil.
Gibt es eine Sendung oder ein Thema, das dir besonders im Gedächtnis geblieben ist – und warum?
Das Schöne bei mephisto 97.6 ist, dass man stets seine eigenen Ideen umsetzen kann. Manchmal nimmt sich der Sender damit auch zu viel vor – umso erstaunlicher ist es in meinen Augen, was das Team in seiner Ehrenamtlichkeit oft alles leisten kann. Für ein Semester habe ich das PR-Ressort des Senders geleitet: Besonders erstaunen mich deshalb jedes Jahr die Großveranstaltungen wie die Buchmesse oder der Geburtstag des Senders.